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Motoren

Es gibt da etwas, was man schon immer mal wissen wollte, aber doch lieber nicht selber ausprobieren möchte. Welcher Motor bringt welche Leitung unter welchen Bedingungen. Außerdem stellt sich oft die Frage, warum sind zwei gleiche Autos auch bei optimaler Vorbereitung manchmal unterschiedlich schnell.

Fangen wir mit Zweiterem an: Die Serienstreuung bei den Motoren. Dazu habe ich folgenden Versuch durchgeführt. Es sollten alle unsere ProSlot Motoren in ein und dem selben Auto unter gleichen Bedingungen zeigen was sie drauf haben. Da ich diesen Test schon vor einigen Monaten begonnen habe, muss ich die Ergebnisse splitten. Die Proslot Motoren wurden auf meiner Profi getestet, der Rest bei Marc Jäger in Wachtberg. (Auf den Holzbahn-Test habe ich verzichtet, da wir eh bald zwei neue Bahnen haben und die Ergebnisse dann wieder nicht vergleichbar wären.)

Die Wahl fiel auf Proslot weil uns die Streuung dort sehr groß vorkam. Kurz zur Durchführung: Nach dem Reinigen der Bahn wurde solange gefahren, bis die Rundenzeiten stabil waren. Jetzt wurde der erste Proband eingebaut. Die Slotkeller-Moosgummireifen einmal gereinigt und los geht es. Mit jedem Motor wurden 20 Runden zum Aufwärmen gefahren und dann 30 Runden in denen die Zeiten gemessen wurden. Die Zeiten in den Tabellen haben folgende Bedeutung: 7,1 heißt der Motor fährt laufend 7,1 Sekunde. 7,1-7,2 bedeutet das die Zeit eher bei 7,15 Sekunden liegt. 7,1-7,2 + will sagen, die Zeiten sind nicht ganz konstant, haben aber die Tendenz zu 7,2 Sek. Umgekehrt heißt dann 7,1-7,2 - unkonstant Tendenz 7,1. In der Spalte Motor ist der Motortyp und eine laufende Nummer. Diese werden auch in die Motoren graviert. So kann ich die Dinger auseinander halten und auch ohne Banderole noch unterscheiden. Die Spalte Bemerkung entstand bevor (!!!) irgendwelche elektrischen Werte gemessen wurden.

Diese Unterschiede in den Rundenzeiten gaben mir dann doch zu denken. Ich wollte jetzt mehr wissen. Also baute ich mir einen Drehzahlmesser. Dazu nahm ich eine alte Maus, deren IR Zählscheibe durch die Motoren angetrieben wird. Wie? Ganz einfach mit einer Carrera Evolution Reibrolle. Dann werden die Drehzahlen mittels eines Frequenzzählers gemessen. Diese werden über das Übersetzungsverhältnis in die konkrete Drehzahl des Motor umgerechnet. Ich weiß, dass ist nicht sehr genau, (daher auch die komischen glatten Werte bei den Drehzahlen) aber es sollte reichen. Man sieht eindeutig, dass bei gleichen Motoren Unterschiede in den Leerlaufdrehzahlen auch zu unterschiedlichen Rundenzeiten führen. Wo die Unterschiede allerdings herkommen, kann ich nicht sagen. Die Vermutung alte Motoren seinen langsamer als neuere ließ sich nur bedingt beweisen.

Die Messung begann mit den goldenen Proslot EVO 2 Motoren.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

PRO2/1

21900

135

7,1-7,2 -

 

PRO 2/2

23000

145

7,0-7,1 -

Fährt wie EVO 3

PRO 2/3

20300

135

7,3-7,4 -

Sehr langsam, Defekt?

PRO 2/4

22500

120

7,0-7,1 -

Fährt wie EVO 3

PRO 2/5

21000

130

7,1

 

PRO 2/6

22900

141

7,0-7,1 +

Fährt wie EVO 3

PRO 2/7

20805

130

7,1

 

PRO 2/8

22200

135

7,1

 

PRO 2/9

22000

138

7,1-7,2

 

Auffällig war hier, dass einige Motoren ( Nr. 2,4,6) sich vom Fahrverhalten und auch von den Daten eher wie ein EVO 3 verhielten. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass hier eine falsche Banderole im Einsatz war! Als nächstes waren die roten EVO 3 Motoren an der Reihe.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

PRO 3/1

24100

150

6,9-7,0 -

 

PRO 3/2

26200

150

6,9-7,0 -

Extrem heiß, schwer zu Fahren.

PRO 3/3

25000

158

6,9-7,0

 

PRO 3/4

22500

160

6,9-7,0 +

 

PRO 3/5

24700

155

6,9-7,0

 

Bei den Roten fiel die Nummer 2 besonders auf. Dieser Motor stammt aus einem Proslot Toyota GT1. Er hatte ein anderes Fahrverhalten als die anderen Motoren. Die Endgeschwindigkeit war deutlich höher als bei den anderen Kandidaten. Allerdings war er viel schwerer zu beherrschen, weshalb auch die Rundenzeiten nicht deutlich besser waren.

Als nächstes waren dann drei Rabbits und ein Rabbit mit ProSlot EVO 3 Anker an der Reihe.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

RAB 1

24100

150

6,9-7,0

Wie ProSlot Evo 3

RAB 2

23000

150

6,9-7,0 -

Wie ProSlot Evo 3

RAB 3

23000

156

7,0

Wie ProSlot Evo 3

RAB 4

26300

180

7,0 - 7,1

Bastel-Motor

Das wichtigste Vorweg: Der Rabbit ist zum halben Preis wahrscheinlich Baugleich mit Proslot EVO 3 Motor. Der Bastel-Motor wurde aus Schrottteilen zusammengeflickt. Er dreht zwar im Leerlauf am höchsten, (wahrscheinlich weil er nicht die original Kohlen hat) kann aber bei den Fahrleistungen nicht überzeugen. Zum Schluss mussten dann noch einige Einzelkämpfer an den Start.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

V12

24100

186

7,0

Gleiche Zeit anders Fahrverhalten.

SC03

24000

175

7,0-7,1

Gleiche Zeit anders Fahrverhalten.

EVO 1

23400

151

6,9-7,0

Wie ProSlot Evo 3

EVO 2

23800

153

7,0-7,1

Wie ProSlot Evo 3

Bei diesen Motoren zeigte sich, dass der Carrera Evolution Motor wahrscheinlich auch identisch mit dem Rabbit und dem ProSlot EVO 3 ist. Die beiden anderen (Slot.I t V12) und der Scaleauto SC03 können bedingt durch ihre Bauform auch in Fly Fahrzeugen eingesetzt werden. Insbesondere beim V12 passen die Fahrleistungen aber nicht zum Preis. Der SC03 ist vom Speed her OK, aber kein Highlight auf der Bremse. Schade eigentlich.

Im zweiten Teil des Test sollten einige neue “Tuning Motoren” mal ihre Leistung zeigen. Insbesondere wollte ich wissen, ob die Dinger ihr Geld Wert sind, oder ob sie nur Blender sind.

Diesen Test habe ich dann vor kurzem wie gesagt in Wachtberg auf Marc’s Exclusiv durchgeführt. Auch hier habe ich erst die Motoren getestet und später die Leistungen gemessen. Aus kostengründen habe ich allerdings meistens nur jeweils einen Motor eines Typs getestet. Das heißt, da es ja eine Serienstreuung gibt, dass die Tests nicht die ultimative Aussage über die Leistungsfähigkeit der Motoren sein kann. 

Fangen wir hier mit den Motoren in der Ninco NC2 Bauform an.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

NC2

15000

77

7,2

Schnellste 7,12 Sekunden

GB (tr.)

15000

80

7,2

Schnellste 7,15 Sekunden

SC01

15100

79

7,2

Schnellste 7,10Sekunden

Beim NC2 habe ich einen neuen (mit roter Banderole) und einen alten Motor getestet. Da die Resultate identisch waren, habe ich nur eins aufgeführt. Der GB Motor stammt aus einem meiner Sisu-Trucks. Der SC01 ist von Scaleauto und hat ebenfalls die gleiche Bauform wie die beiden anderen. Allerdings ist er etwas billiger als die Motoren von Fly(GB) und Ninco. Diese Ergebnisse zeigen doch deutlich, dass alle drei Motor identisch sind.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

NC3

17250

105

6,9

Schnellste 6,85 Sekunden

Der NC3 von Ninco hat die gleiche Bauform wie der NC2. Er ist etwas teurer, hat das gleiche Fahrverhalten (hohes Drehmoment, sehr gute Bremse, sehr gute Beschleunigung, nicht so hohen Topspeed.) Allerdings ist er doch deutlich schneller als sein kleiner Bruder. Die Rundenzeiten lagen im Schnitt 3 Zehntel niedriger. Das ist schon was. Auch der Fahrspaß ist größer.

Kommen wir nun zu den ganz heißen Kandidaten (in der kleinen Klasse!) Preislich tut sich da als erstes Proslot EVO4 hervor. Dicht gefolgt vom Ninco NC4 Stinger. Den Fly-Preis kenne ich nicht, dürfte aber auch nicht viel billiger sein. Bleibt noch der Fox, der um einiges billiger ist als die anderen Typen. Alle diese Motoren haben die gleiche Gehäusebauform.

Motor

Drehzahl

Strom

Rundenzeit

Bemerkung

NC4

26500

204

6,8

Schnellste 6,84 Sekunden

EVO4

25900

220

6,8 - 6,9

Etwas träger (Streuung?) Beste: 6,87

Fly Tun.

26600

205

6,8

Wie NC4

Fox

26900

206

6,8

Etwas schneller im Schnitt Beste: 6,77

Das Fahrverhalten aller Motoren ist gleich. Unter den gegebenen Bedingungen sind die Autos gut in der Beschleunigung (falls der Gripp reicht!) sauschnell auf den Geraden, nicht so gut auf der Bremse. Meiner Meinung nach müssten die Motoren etwas kürzer Übersetzt werden. (Ninco und Fly liefern mit 9 auf 27. Ich würde 8 auf 27 bevorzugen. Kürzer ist eventuell noch besser, aber in 1:32 schwer zu realisieren. (8 auf 30 oder 7 auf 27, aber solche Achsen sind sehr selten.) . Der Fox hat hier leicht bessere Werte erreicht, aber ich denke das ist auch Streuung. Lediglich der EVO4 von Proslot hinkt etwas hinter her. Da mag ich nicht ausschließen, dass er eine Macke hat. Leider habe ich nur einen und das wird bei 20 € auch so bleiben. Es bleibt noch zu sagen, dass sowohl der NC4 als auch der Fly mit speziellen Adaptern geliefert werden. (Zum direkten Einbau in die jeweiligen Fahrzeuge). Außerdem hat der Fly Motor ( meiner ist aus dem Fly GT1 98 Tuning Porsche ) eine längere Motorwelle. Frage ist ob dafür ein entsprechender Preis gerechtfertigt ist. Da man all die heißen Motoren meistens festkleben muss, kann man mit etwas bastlerischem Geschick auch den Fox ohne lange Welle und spezielle Adapter einbauen.

Fazit:

Es gibt eindeutig zum Teil starke Serienstreuung! Woher kann ich nicht erklären. Auf jeden Fall kann man es nicht unbedingt auf das Alter schieben. Außerdem werden solche Tests auch von ganz neuen Motoren verfälscht. Meine mussten deshalb erst mal 2 Stunden ohne Last bei 6 Volt einlaufen. Ganz neu aus der Dose drehen die Motoren im Leerlauf teilweise bis zu 10 Prozent mehr. Ich denke das liegt an der Kombination aus Kohle und Kollektor. Welcher Motor nun der richtige für welchen Zweck ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Allerdings gibt es einige Kandidaten, die man sich getrost sparen kann, da sie einfach nur teurer als andere sind. Ich hoffe, diese Messungen halten manch einen davon ab, sich von den Herstellern über den Tisch ziehen zu lassen.

 

Roland

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