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Moosgummis

Stand: Sep. 2001

Moosgummi-Reifen selber herstellen?!

Sicherlich werden jetzt viele altgediente Slot-”Profis”, die vielleicht regelmäßig an örtlichen oder sogar überörtlichen Rennveranstaltungen teilnehmen, die Augen verdrehen oder den Kopf schütteln. Aber keine Angst - hier sollen nicht die “Grand-Prix-Tyres”, “Wiesels” oder anderes bewährtes Gummi in Frage gestellt werden. Unser Beitrag ist vorrangig für den engagierten Heimbahnfahrer gedacht, der keinem Reglement unterliegt und für den die handgefertigten Moosis durchaus eine interessante und sehr kostengünstige Alternative sind. Natürlich werden auch diese sich fragen: “Warum überhaupt Moosgummireifen?” Darum erst mal eine kleine Vorgeschichte, warum wir mittlerweile ausschließlich mit Moosgummireifen fahren und wie es dazu kam:

Ist mir egal, ich will direkt zur Bauanleitung!

Das Hobby Slotracing fing damals - wie meist üblich - auf einer Kunststoffbahn (4-spurige Carrera Profi) an. Damals fiel schnell auf, dass es bei den Slotcars (magnetlos) zu erheblichen Unterschieden hinsichtlich der Fahrleistungen und des Fahrverhaltens kam, obwohl es sich um Fahrzeuge des gleichen Herstellers und Typs handelte, die zudem noch identisch präpariert waren. Die Gründe dafür blieben jedoch im Dunkel, bis dann die Carrera-Bahn einer Holzbahn Platz machen musste. Die Holzbahn zeigte dann sofort schonungslos auf, wo die Ursachen der unterschiedlichen Fahrleistungen lagen. Während die schon vorher schnellen Fahrzeuge auch auf der Holzbahn gut zu fahren waren, hoppelten und sprangen jetzt die Autos, die auch vorher “lahmten”. Es wurde klar, dass die relativ flexible Kunststoffschiene Unwuchtigkeiten der Hinterachse kompensierte, die die starre Holzbahn jetzt zu Tage förderte. Also musste der Rundlauf des gesamten Fuhrparks nochmal überarbeitet werden. Dieses geschah zwar mit mäßigem, aber vorerst zufriedenstellenden Erfolg. Die Reifen von Fly & Co. trennten sich auf unserer Reifenschleifmaschine nur widerwillig von überflüssigem Gummi und glühende Motoren waren die Regel. Naja, immerhin war etwas Erfolg zu verzeichnen und man war vorerst mal zufrieden. Ja - und dann kam Ninco mit dem drehmomentstarken NC2-Motor auf den Markt. Trotz größter Sorgfalt beim Schleifen und Präparieren gelang es kaum dem Mercedes CLK das Springen im Antritt abzugewöhnen. Besserung schien nur eine Maßnahme zu versprechen, die bereits in der Vergangenheit geholfen hatte. Es wurden die Schraublöcher in der Bodengruppe auf 3 mm geweitet und die Schrauben nach dem Festziehen wieder um eine viertel bis halbe Umdrehung gelöst. Dadurch waren Häuschen und Bodengruppe entkoppelt und eventuelle Verspannungen ausgeschlossen. Das funktionierte erst ganz gut. Jedoch drückten die inneren Karosseriestifte jetzt nicht mehr fest auf Motor und Hinterachse und die Folge waren im Rennbetrieb laufend  herausgesprungene Motoren oder Hinterachsen und viele viele versemmelte Achsritzel. Unser Slot-Dealer konnte bald keine Ninco-Hinterachsen mehr liefern und ein Verkleben von Motor und Hinterachslager kam aus Gründen der Servicefreundlichkeit nur als wirklich letzte Maßnahme in Betracht. Eine Lösung musste her! In diverse Reifen-Tests wurden dann auch die Scaleauto Moosgummireifen “Pro-Comp” mit einbezogen - und siehe da: Eine Wohltat !!! Ruck-zuck rundgeschliffen und die CLK´s schnurrten nur noch so vor sich hin. Suuuuper !!! Aber  8,- DM für ein Paar Moosis? Da musste es doch auch eine andere Möglichkeit geben. Und richtig: Wir stießen auf Moosgummimatten (die mittlerweile bei uns - mit Bandenwerbung beklebt - auch als Leitplanken Verwendung finden) und in den Ausführungen von 3, 5 und 10 mm Stärke zu haben sind. Bei einem Quadratmeter-Preis für die 5mm-Matte von 38,90 DM bedeutet dieses ca. 1.800 Reifen für 132er slotcars zu einem Stückpreis von ca. 2,6 Pfennig!!! (Quelle: z.B. Gummi-Grün, 50667 Köln, Richmodstr.3-7, Tel.: 0221-253046 oder “Gelbe Seiten”). Wie nachfolgend beschrieben, wurden dann schnell ein paar Moosis handgefertigt und begeistert probegefahren. Sie weisen zwar nicht den ultimativen Gripp der “Pro-Comps” auf (was auch nicht immer erwünscht ist), sorgen aber dafür, dass man jedem handelsüblichen “Vollgummi-Boliden” locker um die Ohren fährt. Dieses konnte auch außerhalb des slotkellers auf verschiedenen Bahnen (RWE, etc.) gezeigt werden. Zudem sorgt der erheblich leisere Lauf der Fahrzeuge - insbesondere, wenn auch die Vorderachse mit Moosis bestückt wurde - für einen erhöhten Fahrspaß. Auch die Vorderachsmoosis müssen dann natürlich geschliffen und die Laufläche zur Reduzierung des Rollwiderstandes mit Sekundenkleber bestrichen werden.

Tja - und so wird´s gemacht: Als Beispiel soll die Präparation eines handelsüblichen 132ers dienen. Wir nehmen die Matte, halten ein Lineal an und schneiden mit einem Cutter-Messer einen Streifen ab, der ca. 1 bis 2 mm breiter als die zu bestückende Felge ist. Danach werden mit einer normalen Schere ca. 4,5 bis 4,7 cm (je nach Felgenumfang) lange Stücke abgeschnitten.

 Diese werden dann mit den Fingern zu einer “Schnecke” gerollt, um bereits eine leichte Biegung des Moosgummistücks zu erzielen . Das erleichtert nachher das Zusammenfügen der beiden Enden.

Jetzt kommt der Vorgang, der ein wenig Übung erfordert: Das Zusammenkleben. Als Kleber eignet sich ausschließlich Sekundenkleber-Gel (z.B. Pattex “Blitz-Gel”), das in jedem Baumarkt erhältlich ist.  Auf das rechts liegende Ende des Moosgummistreifens (bzw. bei Linkshändern das links liegende Ende) wird ein schmaler Streifen Gel aufgetragen, der anschließend mit einem Nagel oder Zahnstocher gleichmäßig verteilt wird. Überschüssiger Kleber auf der später außenliegenden Fläche wird auf einem Papierblatt abgestreift, damit beim Zusammenfügen der beiden Enden nicht die Finger am Moosi kleben bleiben.

Jetzt werden die beiden Enden an den innenliegenden Kanten ausgerichtet und langsam von unten nach oben zusammengefügt. Dabei sollte man vor dem vollständigen Zusammendrücken der Klebestellen darauf achten, dass auch die außenliegenden Kanten in etwa auf Stoß liegen. Geringe Unregelmäßigkeiten an der Klebenaht sind nicht so schlimm und werden später einfach weggeschliffen. Nach dem Zusammenfügen der beiden Enden hält man den Moosi an der Klebenaht noch einige Sekunden unter Druck - und fertig.

Die Befürchtungen, der Reifen könnte im Fahrbetrieb an der Klebenaht wieder aufplatzen, waren unbegründet. Vorrausetzung ist allerdings relativ zügiges Kleben mit nicht zu altem Sekundenkleber-Gel. Unrund laufende Felgen können jetzt noch mit einem Cuttermesser, das gegen die sich drehende Felgenlauffläche gedrückt wird, meistens zufriedenstellend begradigt werden. Jetzt wird der Reifen ein wenig gezogen, gedehnt und geknetet und sofort auf die Felge gezogen. Da der Reifeninnendurchmesser erheblich kleiner ist als der Felgendurchmesser, wird sich der Moosi jetzt trotz mittigen Felgenstegs auch auf die außenliegende Lauffläche der Felge legen. 

Mit einem Hauch Sekundenkleber-Gel auf einem Nagel oder Zahnstocher wird jetzt der Moosi rundum auf der Felge fixiert. Das Fixieren des Reifens auf der Außenseite reicht dabei völlig aus. Nun kann geschliffen werden: Erst werden die Reifenflanken gerade geschliffen. Dann wird die Lauffläche geschliffen, bis auf beiden Reifen der gewünschte Reifenumfang erreicht ist. Dabei sollte der Übergang zur Reifenflanke etwas abgerundet werden.

Bei Felgen mit sehr erhabenen Stegen, kann nach 1 bis 2 Tagen nochmal ein kurzes nachschliffen nötig werden, da sich der Moosi dann sicher vollständig gesetzt hat.

Ja, und nun kann´s losgehen. Wie bei anderen Reifen auch, wird der Moosi nach ca. 100 Runden seinen Gripp aufgebaut haben. Es soll natürlich nicht der Hinweis fehlen, dass auch eine staubfreie Bahn und ein paar Tropfen Öl, die auf der Lauffläche der Reifen einmassiert werden, den Gripp erheblich verbessern.

Endlich fertig: Ab geht die Post!

Das Ganze funktioniert natürlich auch mit 124er Boliden: Hier als Beispiel ein zuvor jämmerlich zu fahrender Carrera Excl. BMW V12 LMR, der u.a. mit Mattenmoosis wieder das Laufen lernte.

Wir müssen natürlich darauf hinweisen, dass der vorrangegangene Artikel auf unseren Erfahrungen beruht und für ein Gelingen (oder zusammengeklebte Finger) keine Garantie übernommen werden kann.  

Weiterhin sollten auch ein paar wirklich kleine Nachteile nicht verschwiegen werden: Der sicherlich größte Nachteil ist der hohe Verschleiß! Die Reifen halten nicht annähernd so lange wie ein Vollgummi-Reifen! Das heißt es ist öfters Reifenwechsel angesagt! Insbesonders bei Sidewinder-Fahrzeugen ist das manchmal lästig! Die Haltbarkeit ist ähnlich wie bei Scaleauto Pro-Comp Reifen. Allerdings haben die “Mattenmoosis” nicht soviel Gripp wie ein Pro-Comp oder ein Black Magic von Sigma! Der Black Magic ist dazu auch noch haltbarer. Dafür ist er Scheiße zu schleifen! Auf ner Hudy vielleicht nicht, auf dem Auto schon! Wir mussten aber immer wieder feststellen das Reifen wechseln nur halb so lästig ist wie das laute Fahrgeräusch und das Stempeln (Hoppeln, rattern, springen) bei Gummireifen. (Von den zerschossenen Ritzeln bei NC2 Fahrzeugen mal ganz abgesehen!) Da der Moosgummi auf jeden Fall mehr Gripp als die normalen Gummipellen hat, ist auch das Fahrverhalten anders. Insbesonders kippelige Fahrzeuge werden mit den Moosies noch haariger! Deshalb empfehlen wir für die ersten Versuche ein gutmütiges Auto zu nehmen.

Falls noch Fragen sind maildet Euch im Slotkeller!

So und nun viel Spaß beim Basteln!

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