Zurück zur Homepage

Zurück zur Übersicht

Krumme Räder.

Stand:
Jan 03

Es ist kaum zu glauben, aber selbst Jahrzehnte, nachdem die Menschheit zum Mond geflogen ist, scheint es vielen Slotcar-Herstellern technisch noch nicht möglich zu sein, einen Slotcar zu bauen, bei dem die Kunststofffelgen und Achsen absolut rund laufen.

Kernschrott?

Da werden die Slotcars mit den tollsten (und meist unsinnigen) Sachen, wie z. B. Bremsscheiben, voll ausgeformten und reich detailierten Fahrereinsätzen, Motorattrappen (die man von außen meist eh nicht sieht) und neuerdings sogar Differentialen vollgestopft. Dafür wird dann das, worauf es bei einem Slotcar ankommt, oft sträflich vernachlässigt.

Hier muss sich insbesondere Fly - als einer der marktführenden Hersteller - große Vorwürfe gefallen lassen. Was ich hier schon gesehen habe, spottet jeder Beschreibung. Auch wenn sehr viele Fly-Modelle bekanntermaßen als Sammlerobjekte nur in der Vitrine landen, so werden diese Fahrzeuge aber als Slotcar verkauft und sollten daher auch rein theoretisch in der Lage sein, ihrer Bestimmung gerecht zu werden. Das ist dann aber nicht der Fall, wenn bereits nach der ersten Kurve ein Rad über die Fahrbahn kullert, oder der Slotcar auf Grund von klemmenden oder springenden Hinterachsen die erste Kurve noch nicht mal erreicht.

 Das ist das Gleiche, als wenn ich mir ´nen super gestyltes und mit allen erdenklichen Extras ausgestattetes Handy kaufen würde, mit dem ich aber nicht telefonieren kann.

Es gab Zeiten, da hab´ ich zu jedem gekauften Fly-Modell direkt ´ne gesonderte Hinterachse mitgeordert. So war die Chance, zwei einigermaßen runde oder nicht gerissene Räder zu erhalten, etwas größer - aber keine Garantie.

Aber auch Carrera kann es nicht viel besser. Zudem lassen sich die Felgen nur sehr schwer von den relativ weichen (daher meist krummen) und "gerändelten" Achsen ziehen. Danach hat man dann unweigerlich die Achsaufnahme in den Felgen zerstört und die später beschriebenen Maßnahmen werden ein Muss. 

 Um mal kurz aufzuzeigen, wie wichtig runde Hinterachsen sind, folgende Erfahrungen aus der Vergangenheit:

 Das Hobby Slotracing fing damals - wie meist üblich - auf einer Kunststoffbahn (bei uns Carrera Profi) an. Damals fiel schnell auf, dass es bei den Slotcars zu erheblichen Unterschieden hinsichtlich der Fahrleistungen und des Fahrverhaltens kam, obwohl es sich um Fahrzeuge des gleichen Herstellers und Typs handelte, die zudem noch identisch präpariert waren. Hier hatte man erst die Motoren in Verdacht, aber auch nach einem Motorentausch blieben die Fahrleistungen unverändert. Die wahren Ursachen blieben im Dunkel, bis dann unsere Carrera-Bahn einer Holzbahn Platz machen musste. Die Holzbahn zeigte dann sofort schonungslos auf, wo die Ursachen der unterschiedlichen Fahrleistungen lagen. Während die schon vorher schnellen Fahrzeuge auch auf der Holzbahn gut zu fahren waren, hoppelten und sprangen jetzt die Autos, die auch vorher “lahmten”. Es wurde klar, dass die relativ flexible Kunststoffschiene Unwuchtigkeiten der Hinterachse kompensiert hatte, die die starre Holzbahn jetzt zu Tage förderte.

Fazit: Ist die Hinterachse krumm, kann der Slotcar sein Potenzial nicht auf die Bahn bringen - auch wenn man dieses auf Kunststoff (und hier insbesondere im Magnetbetrieb) nicht sonderlich bemerkt.

 Naja - irgendwann hatte ich dann die Nase voll (und vom ständigen Achsenkaufen das Portemonnaie leer). Es muste doch möglich sein, mit eigenen Mitteln krumme Felgen wieder gerade zu bekommen.

Achse prüfen und begradigen:

Da auch krumme Achsen durchaus üblich sind, sollte vor allen anderen Maßnahmen die Achse auf Rundlauf geprüft werden. Denn auch die geradeste Felge eiert auf ´ner krummen Achse.

Dazu zieht man erst die Felgen von der Achse und läßt dann den Motor laufen. Wenn man jetzt den Fingernagelrücken leicht gegen die äußeren Enden der Achse hält, spürt man sofort, ob hier alles rund läuft oder nicht.

Ist nur eine sehr leichte Unwucht zu spüren, kann es reichen, kurz ein Schleifpapierplättchen gegen die Achsenden zu halten.

Ist die Achse krumm, muss sie demontiert und das Achsritzel abgezogen werden. Jetzt läßt man die Achse über eine Glasscheibe rollen und sieht sofort, wo die Achse krumm ist. Jetzt muss halt so lange vorsichtig nachgebogen werden, bis die Achse den Glasscheibenrolltest ohne eiern besteht.(Bild Achse/Zange) Dann kann das Achsritzel wieder montiert und die Achse eingebaut werden.

Kunststofffelgen prüfen und begradigen:

Die ersten Versuche sahen dann so aus, dass ich versuchte, nach der Demontage der Reifen die Kunststofffelgen rundzuschleifen. Erst mit Schleifpapier, dass ich auf ein Holzbrettchen geklebt hatte - später mit einem Cuttermesser, das ich gegen die laufenden Felgen hielt. Aber irgendwie brachte dieses nicht den erwarteten Erfolg. Sicher - grobe Unwuchtigkeiten waren schnell beseitigt, aber der letzte saubere Rundlauf wollte sich hier nicht einstellen. Zudem wollen die meisten von euch ja mit den serienmäßigen Reifen fahren. Da darf nicht zuviel vom Felgensteg weggeschliffen werden. Bei uns als “Mattenmoosi”- Fahrer wäre das egal.

Die Lösung: Eine andere Lösung mußte her. Es war offensichtlich, dass ein zufriedenstellender Rundlauf nicht zu erzielen ist, wenn die Achsaufnahmen nicht zentral oder ungerade in die Felge gebohrt waren. Daher war mein nächstes Ziel, die Achsaufnahmen in den Felgen zu zentralisieren und zu begradigen. Dazu wurde die Achsaufnahme auf ca. 2,5 mm (je nach Grad der Abweichung der Unwucht auch bis zu 2,7 mm) geweitet, indem hier ein entsprechender Kreuzschlitzschraubendreher langsam und möglichst gerade in die Achsaufnahme gedreht wurde. Sicher geht hier auch ´ne Bohrmaschine, aber die geht gleich ziemlich brutal zur Sache. Mit dem Schraubendreher fühle ich mich da sicherer.

Der Motor sollte jetzt demontiert werden, um später - und das ist wichtig - die Achse leicht drehen zu können.

Dann wird 2-Komponentenkleber angerührt (ideal - auch für kleine Mengen Farbe mischen - sind da die Deckel von Bierflaschen, von denen wir immer ausreichend vorrätig haben!) und ein wenig in die Achsaufnahme eingebracht (bitte nicht zuviel Kleber nehmen, da bei der Montage auf der Achse der überflüssige Kleber wieder herausgedrückt wird). Für diesen Anwendungsbereich nehme ich UHU Plus-Schnellfest. Anschließend wird die Felge auf die Achse gesteckt, die bereits im Chassis montiert sein sollte. Solange der Kleber noch relativ dünnflüssig ist, kann es passieren, dass die Felge durch Lufteinschlüsse in der Achsaufnahme immer wieder ein wenig von der Achse gedrückt wird. Also in diesem Fall die Felge immer wieder vollständig auf die Achse drücken.

Tipp: Als ideale Lösung hat sich die Maßnahme erwiesen, die Felge mit einem 1mm-Bohrer zu durchbohren, sodass der Bohrer in der äußeren Radnabe austritt. Bei Felgen mit Zentralverschluss ist es ein einfaches, diesen vorher zu entfernen. Jetzt kann hier überschüssiger Kleber und die Luft nach außen entweichen und drängt nicht in Richtung Achslager. Um zu vermeiden, dass der nach außen dringende Kleber die Felgen verschmiert, wird vorher ein Stück Tesa-Film auf die äußere Felgenseite geklebt und in Höhe der Radnabe mit einer Nadel durchstochen. Der nach außen dringende Kleber verteilt sich jetzt auf dem Tesa-Film, der nach dem Aushärten des Klebers einfach wieder abgezogen wird.

Jetzt dauert es ca. 5 Min., bis der 2K-Kleber anfängt auszuhärten. Vorher hat es keinen Zweck die Felge auszurichten, da der noch ziemlich flüssige Kleber die Felge noch nicht in der gewünschten Stellung halten kann. Immer mal wieder in dem Kleberrest im Bierdeckel ´rumrühren, um den Grad der Aushärtung zu sehen. Erst jetzt, wenn der Kleber beginnt, etwas zähflüssig zu werden, kommt der große Moment:

Man hat jetzt nochmal ca. 5 Min. Zeit, um die Felge zu richten. Dazu wird ein rechtwinkliges Geodreieck so an das Chassis gehalten (Chassis und Geodreieck in einer Hand), dass die eine Seite des Geodreiecks parallel zur Felgenlauffläche steht. Jetzt führe ich das Geodreieck bis auf ca. einen halben Millimeter an die Felgenlauffläche und beginne über das Achsritzel die Achse zu drehen.

 Jetzt führe ich das Geodreieck bis auf ca. einen halben Millimeter an die Felgenlauffläche und beginne über das Achsritzel die Achse zu drehen. (Bild Nahaufnahme) Nun gilt es die Felge so auszurichten, dass der Abstand zwischen Geodreieck und Felgenlauffläche in jeder Position gleich bleibt. Ist man der Meinung, die Felge perfekt ausgerichtet zu haben, gibt man mal ein bißchen “Anschwung”, sodass sich die Felge ein paar Mal schnell dreht. Jetzt dürfte sofort erkennbar sein, wenn der Rundlauf noch nicht optimal ist und man hat noch die Möglichkeit nachzubessern. So - das müste es gewesen sein.

Gegebenenfalls verfährt man jetzt mit der anderen Felge analog und lässt dann dem Kleber noch einen Tag Zeit, völlig auszuhärten.

Bevor die Reifen dann aufgezogen werden, werden die Felgen nochmal überschliffen.(Bild schleifen mit Cutter) Dabei gefiel mir die Methode mit dem Cuttermesser persönlich besser, da ich schon beim Schleifen den Grad der noch vorhandenen Unwucht im Zeigefinger, den ich oben auf die Klinge halte, spüre. Aber Vorsicht !!! Mit dem Cuttermesser sollte man sich langsam an die Sache herantasten, bis man den Kniff raus hat.

Jetzt werden die Reifen montiert und mit ein paar Tropfen Sekundenkleber-Gel, das ich vorher auf einen Zahnstocher gebe, gegen ein Verdrehen auf der Felge gesichert. Abschließend werden die Reifen geschliffen.

So - jetzt müste euer Slotcar nur so über die Fahrbahn schnurren und die vorherigen Bestzeiten leicht knacken können.

Wir wünschen ein gutes Gelingen. Selbst wenn bei den ersten Versuchen mal was schiefgeht, hat man nichts verloren. Einerseits war Felge war ja auch schon vorher unbrauchbar, andereseits kann der Kleber wieder herausgebohrt und ein neuer Versuch gestartet werden.

 Wie immer würden wir uns über Rückmeldungen hinsichtlich eurer Erfahrungen freuen. Auch Kritik ist ausdrücklich erwünscht. 

Viel Spaß beim Basteln.

Hansi.

Zurück zur Homepage

Zurück zur Übersicht