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Der Bentley

Seit langem endlich mal wieder ein Modell von Carrera, welches auch in unsere Sammlung passt. (Der Panoz war ja leider optisch wenig ansprechend). Auf den ersten Blick durch die Dose sieht der Wagen sehr ansprechend aus. 

Da die Schüssel meiner Meinung nach das interessanteste Auto in Le Mans war (2001) musste ich natürlich gleich beide Ausführungen kaufen. Und wie gesagt, schön sind sie ja auf den ersten Blick. Allerdings sollte sich dieser Eindruck nicht lange halten. Schon beim los schrauben des Autos viel das Gewicht unangenehm auf. Da kommt was auf uns zu, war die einheitliche Meinung im Slotkeller. Also die Waage raus und los geht es.

Ufff! 96 Gramm für ein 1:32’er. Da hat Carrera mal wieder voll zugeschlagen. Daneben zum Vergleich ein ProSlot Toyota GT One. Der zugegebener Maßen sehr leichte Toyo bring nur 70 Gramm auf die Waage. Da stellt sich die Frage, wo liegt das Gewicht? Na dann Schraubenzieher her und die Dinger zerlegt und in Teilen auf die Waage.

Au weia! 30 Gramm Karosserie. Das wird heftig. Der Toyo hat nur 18. Damit steht eigentlich schon fest, dass der Bentley nicht mit dem Toyo um die Wette fahren kann. Bei dem Gewicht wird da wohl eher ein langsamer Fly der Gegner sein. Ganz schlimm wiegt das Gewicht dann auch noch, wenn das Auto so weit von der Bahn weg ist. Das ist dann wohl der Punkt, wo nur noch das ganze Programm hilft.

Dss ist schon ein krasser Unterschied. Der Bentley hat da doch die Nase ganz schön hoch. Da liegt der Schwerpunkt sehr hoch, was später dann zum Kippen des Fahrzeuges führt. Mal sehen, wie tief wir das Gerät legen können. Was dann als nächstes nicht so toll war, ist die Lackierung. Die Metallic-Farbe ist stellenweise leider etwas verlaufen.

Leider nicht so gut auf den Bildern zu erkennen, aber diese dunkleren Linien auf den Flächen sind verlaufene Farben. Man sieht aber an den Lichtreflektionen auch, dass der Wagen komplett klar Lackiert ist.

Die Sache mit dem Lack ist ja noch OK. Die Gewichte sind schon sehr schmerzlich, und meiner Meinung nach wieder mal ein Zeichen warum es entweder “Carrerabahn spielen” oder “Slotracing” heißt. Aber da müssen wir durch, weil der Bentley einfach nicht in der Sammlung fehlen darf. Erwartungsgemäß fanden wir unter der Haube die neue Carrera Feinverzahnung, welche es möglich macht die Autos hinten sehr flach zu gestalten, ohne eine “Ritzelbeule” in die Karosse zu machen. Das an sich wäre ja auch nicht so schlimm, wenn nicht die Übersetzung viel zu lang wäre. 10 auf 26 Zähne. Diese Übersetzung taucht nur auf ultra-langen Bahnen und eigentlich auch nur mit Magnet. Bei Proslot wird der selbe Motor (EVO 3) mit 10 auf 36 übersetzt, obwohl die Räder noch etwas kleiner sind. Mit so einer Übersetzung bremsen die Autos auch.

Da wir schon beim Zerlegen sind, mussten nach dem Motor auch die Reifen runter. Wer danach mal die Achse “anschubst” und auf die Felgen schaut, der bekommt dann den endgültigen Beweiß dafür, dass er Spielzeug gekauft hat. Also selbst die schlimmsten Räder von Fly sind dagegen eine Wohltat. Den Rundlauf der Achse und der Räder gibt es nicht. Selbst Asbach-uralte Uni-Achsen sind da Klassen besser. ( Nach 20 Jahren hartem Einsatz!!! ) Mit diesen Rädern ist ordentliches Fahren nicht möglich. Also habe ich zweiten Bentley zerlegt und siehe da, genauso schlimm. Das gilt auch für die Voderräder.

Die Wurzel allen Übels! Krumme Achse, viel zu lange Übersetzung!

Fazit: Das wird richtig Arbeit um der Schleuder das Fahren beizubringen.

So nun geht es aber ans Eingemachte. Wie schon versprochen, der Bentley muss fahren. Und zwar richtig. Das bedeutet allerdings, dass nichts so bleibt wie es ist. Aber eins nach dem anderen. Wie oben angesprochen, muss eine neue Übersetzung her. Wir hätten gerne 8 auf 30 gehabt. (Dies ist die gleiche wie beim Toyo, unserer Meinung nach die Beste für diese Motoren. Der Carrera Motor ist nämlich der gleiche wie ein Proslot EVO3 oder auch der Rabbit. Mit so einer Übersetzung bremsen die Autos dann auch. Da war aber noch das Problem mit dem Gewicht, dass dazu führte das auch bei kurzer Übersetzung der Bremsweg zu lange war. Aber von vorne: Zuerst musste mal die krumme Hinterachse nebst Rädern dran glauben. Eingebaut wurde eine 3mm Stahlachse mit Alufelgen. Die Originalräder wurde zu Felgeneinsätzen umfunktioniert. 

Durch die Verwendung der original Räder als Felgeneinsatz blieb die Optik fast unverändert.

Die finale Lösung:
Übersetzung: 9 auf 28. Achslager: Original auf 3mm aufgerieben. ProComp Moosgummis.

Nachdem die Achslager auf 3 mm erweitert wurden und die Alus montiert waren, kamen ein paar Slotkeller-Moosies auf die Räder. Für die ersten Fahrversuche wurde 10 auf 30 übersetzt. (Original-Ritzel Carrera auf dem Motor 30 Zähne IPL 3/32” (modul 0,64) auf der Hinterachse (aufgerieben auf 3 mm). Die Übersetzung war wie erwartet immer noch viel zu lang. Ein gößeres Ritzel passte nicht. Also kleineres Motoritzel. Auch mit 8 Zähne kam noch kein richtiger Spaß auf. Aber so konnte man wenigstens schon mal rum rollen.

Erwartungsgemäß führten die unrunden Vorderräder trotz des hohen Gewichts zum hoppeln in den Kurven. Das sollte jetzt erst mal abgestellt werden. Also Gummipellen runter, Vorderräder von der Originalachse ab, Felgen rundschleifen, Moosgummis aufkleben und rundschleifen, Felgen mit (neuer) gerader Achse wieder einbauen. Dann noch die Vorderachse unterlegen, sodass sie nicht wackelt. Das senkt die Kippneigung.

Und wieder fuhr der Bentley etwas besser, war aber immer noch kippelig. Also musste die Karosse leichtgängig mit dem Chassis verbunden werden. Dazu wurde das Chassis komplett zerschnitten. Die äußeren Kanten wurden nun an die Karrosse angeklebt, um die Optik wieder herzustellen. Im Frontbereich muss die Lippe gut verklebt werden um die Stabilität bei “Einschlägen” zu erhöhen.

Obwohl diese Massnahme zum jetzigen Zeitpunkt kaum etwas brachte, ist sie zwingend nötig auf dem Weg zur Rennsemmel! Die Karosse ist nach wie vor zu schwer um hohe Kurvengeschwindigkeiten zu erzielen. Da musste dann der Dremel her. Gnadenlos wie beim R8 Light wurde die Karosse ausgeschiffen und somit erleichtert.

Auch die Bodenplatte musste noch Federn lassen. Mit der Bohrmaschine wurde sie im vorderen Bereich zum Schweizer Käse gemacht. Die Randbereiche wurden bis zu den Verstärkungsstegen abgeschnitten. Die Führungen für die Karossiere wurden ebenfalls abgeschnitten. Das hintere Ende der Bodengruppe wurde ja schon vorher an das Häuschen geklebt. Um den seitlichen Schwenkbereich hinten zu Begrenzen ( Karosse schleift sonst an den Rädern) wurden zwei dünne Metallzungen hinten angeklebt. Als letztes wurde der gesamte Magnethalter entsorgt. (Dinge die die Welt nicht braucht....) Außerdem wurden alle 4 Achslager in die Bodengruppe eingeklebt um die Halteplatten und die Schrauben los zu werden.

Durch die Äderungen an Bodengruppe und Karosse kam diese auch etwas tiefer. Zwar nicht viel, aber immer hin. Außerdem war der Bentley jetzt in der Lage gelegentlich Rundenzeiten von 5,5 Sekunden zu fahren. Das war aber noch zu wening. Nach all dieser Arbeit sollte schon etwas mehr gehen. Auch für so eine Schüssel. Gefühlsmäßig lagen die Zeiten hauptsächlich in der Übersetzung begründet. Schließlich fahren andere gute Autos mit diesem Motor Rundenzeiten bis zur 5,1! Da für eine kürzere Übersetzung kein Platz mehr war musste ein anderer Weg gegangen werden. Ein Motor der bei einer normalen Übersetzung ordentliche Zeiten fährt war gefragt. Also NC2 einbauen. Nur wie ? Oben schon zu sehen, der Fahrereinsatz musste bis auf den eigentlichen Fahrer dran glauben. Und Tschüssss... Der Motor ging dann rein, aber Streß machte nach wie vor die Übersetzung. Diesmal kamen wir mit 9 auf 28 Zähne aus. Da die Ritzel jetzt ein gröberes Modul haben, sind sie auch größer. Das 28’er Achsritzel ist von Plafit und wurde noch etwas verkleinert, indem die den Zähnen gegenüberliegende Seite abschliffen wurde. Das reicht noch nicht. Also musste das Ritzel mehr in die Mitte der Achse gesetzt werden. Jetzt passte der Deckel endlich drauf, ohne das Achse, Räder oder Ritzel Karosseriekontkt hatten. Der Motor musste etwas schräg in die Bodengruppe eingeklebt werden.

Mit diesem Antriebspaket kam jetzt richtig Freude auf. Gute Bremse starke Beschleunigung und hohe Speed auf den Geraden. Also genau das was wir wollten. Lediglich an Gripp fehlte es noch was. Also Slotkeller-Moosies runter und Scaleauto ProComp-Puschen drauf. Endlich erreichte auch der Bentley die 5,1 Sekunden gelegentlich.

Hier der fertige Bentley von unten. Nichts ist mehr wie es mal war. Und geht nicht gibts nicht!

Ist wohl irgendwie ein anderes Auto als vorher. Aber jetzt geht er halt.

An alle die unter Euch, die nun glauben der Anfang des Berichtes sei übertrieben oder Carrera-feindlich, möchte ich noch mal ganz deutlich einige Dinge klarstellen. Man kann jedes Auto schnell machen. Das ist zwar nicht immer nötig, macht aber Spass. Bei manchen Autos ist das kaum Arbeit und kostet kein zusätzlichen Geld. Bei dem Toyo zum Beispiel braucht es für diese Leistung nur ein paar Moosies (die billigen Slotkeller-Moosies reichen vollkommen) etwas Blei und etwas 2K-Kleber im Bereich Motorträger und Hinterachse. Dann fährt das Auto ganz locker 5,0 Sekunden, nach einiger Zeit auch 4,9 Sekunden. Beim Ninco BMW LM sieht es genau so aus. Aufwand ca. 30 Minuten mit Reifen schleifen.

Bei diesen Firmen geht es dann wohl doch eher um Slotracing. Den Anspruch kann Carrera zur Zeit leider nicht erfüllen. Oder sie wollen es nicht! Wie schon beim 911 Evo , 911 GT1 98 und beim R8R gehen einfach viele viele Stunden drauf um die Autos einigermaßen fahrbar zu machen. Schade eigentlich. Hier merkt man deutlich die Auslegung als Spielzeug!

Für mich bleibt es dabei, ich kaufe nur Evo-Fahrzeuge die es von keinem anderen Hersteller gibt. Denn wenn ich so ein Auto erst mal live gesehen und gehört habe und das dazu noch in Le Mans, dann muss es auch in den Slotkeller. Und ist es noch so viel Arbeit.

Tuning: Hansi
Bericht und Bilder: Roland

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